QUADrathlon (Q): Guten Tag Herr Neusser. Im November dieses Jahres findet ein Verbandstag der Quadrathlon Allianz Deutschland QUAD statt, der zudem als außerordentlicher Verbandstag bezeichnet wird. Warum?
Joachim Neusser (JN): Nun zunächst wurde der Verbandstag als Mitgliederbegehren beantragt. Die Mitglieder haben den Verbandstag also nach der Satzung eingefordert. Da seitens der provisorsichen Geschäftsstelle darauf nicht eingegangen wurde, hat nun der eingetragene Vorstand einen ordentlichen Verbandstag alleine einberufen. Dieser muss alle zwei Jahre stattfinden. Da 2007 die QUAD ins Leben gerufen wurde, steht also 2009 per se auch ein regulärer Termin an.
Q: Was ist denn der Grund für eine außerordentliche Vollversammlung und im speziellen in diesem Fall?
JN: Ein außerordentlicher Verbandstag kann aus verschiedenen Gründen einberufen werden. Zum Beispiel vom Vorstand selbst. So wurde ja auch 2008 bereits eine Mitglieder-Vollversammlung vom Vorstand einberufen, einfach, weil es günstig erschien, in Suhl, wo die meisten Quadrathleten per se starten, um dort dann auch einen ersten Gedanken- und Erfahrungsaustausch zu organisieren. Das es dort zum Eklat kam und die Versammlung abgebrochen werden musste, ist im Nachhinein einfach nur traurig.
In diesem Jahr war die Situation aber ganz anders, sozusagen "vom Volke her": Die Mitglieder, die ja die QUAD selbst sind, haben diesen Verbandstag eingefordert. Hauptgrund war speziell wohl, weil die Geschäftsstellenbeauftragte Peter Appelt und Silke Harenberg kurzfristig eine Art Gegenveranstaltung zu Suhl organisierten, weil sie mit dem Veranstalter im Klinch liegen. Dann hat man diesen neuen Quadrathlon als Deutsche Meisterschaft deklariert. Ich kann und will jetzt nicht für jeden einzelnen Antragssteller sprechen, aber da kamen schon sehr heftige Reaktionen hoch.
Q: Ihre persönliche Meinung dazu?
JN: Das habe ich, wie gewöhlich, öffentlich kommuniziert. U.a. auf QUADrathlon. Aber ich wiederhole es gerne: Ich finde das - gelinde gesagt - groben Mist. Wir sind so wenige Quadrathleten und dann werden die noch auf zwei Wettkämpfe an einem Tag verteilt. Ergebnis war ja zu erwarten: Bei jedem Quadrathlon sind nur gut 20 Athleten gestartet. Das kann für keinen Veranstalter befriedigend sein. Und für die Quadrathleten erst recht nicht. In Suhl ist zum Beispiel die gesamte männliche deutsche Elite gestartet, wodurch bei dem anderen Wettkampf in Arendsee dann sogar eine Frau Deutscher Meister wurde. Wohlgemerkt bei den Frauen und Männern. Und ein Masters 45 Athlet wurde Gesamtsieger bei den Männern. Das schon ein ziemlich absurdes Ergebniss und stellt die sportliche Wirklichkeit im Quadrathlon absolut nicht dar.
Q: Also dann: ein Verbandstag. Stehen Sie als Präsident wieder zur Verfügung?
JN: Nein.
Q: Das ist eine sehr klare Aussage. Gibt es keine Konstellation, bei der Sie wieder für das Amt kandidieren würden?
JN: Um es deutlich zu sagen: Ich trete nicht als Präsident oder ein anderes Amt im Präsidium an. Ich hatte mich bereits 2006 dazu erklärt und gesagt, dass ich nach der Gründung für eine Amtperiode als "Funktionär" zur Verfügung stehe. 2007 war die Gründung, und 2009 ist heute. Außerdem kam nun die Situation dazu, dass sich die Verhältnisse in der Szene verändert haben.
Q: Können Sie das ausführen?
JN: Es ist bekannt, dass es aktuell im wesentlichen zwei Fraktionen innerhalb der Quadarthletenszene gibt. Und ich selbst kritisierte viele Dinge sehr offen, die in den vergangenen beiden Jahren zutage kamen. Und dann steht man dann eben auch selbst in der Kritik. Das kann ich sogar verstehen! Aber wie dem auch sei, ich bin aus diesem Grund einfach nicht die richtige Person, um die Parteien zusammen zuführen.
Q: Sie könnten aber Ihre Interessen doch vielleicht als Präsident besser vertreten?
JN: Könnte. Aber es geht nunmal nicht um meine Interessen, sondern die des Quadrathlons. Deshalb nein. Es gibt im Verband aber etliche Sportler und Mitglieder, die die reichlich Erfahrung und Engament mitbringen und die man vor allem neutral bewerten wird. Mir fallen da als Namen spontan beispielsweise Stefan Barthel, Dietmar Grimoni, Stefan Teichert, Wolfgang Ketscher, Thoralf Berg und Klaus Knopf ein. Eigentlich kenne ich fast nur gute personelle Möglichkeiten. Deshalb dachte ich 2007 auch, dass der Name Quadrathlon Allianz ein ziemlich perfekter Name für den Verband sein würde. Eben nicht nur als nettes Akronym, sondern vor allem als Programm.
Q: Dennoch: Sie haben bereits aktive Erfahrung.
JN: Sie wollen das Thema nicht beenden. Also gut, ich würde mich sicher nicht
aus der Verantwortung dem Sport gegenüber entziehen, wenn eine homogene Einheit, dies wünschen würde. Homogen heißt aber: Auch Peter Appelt, Ellen Mielke und Silke Harenberg müssten dies wollen würden. Aber das wäre einfach so, als ob die Partei die Linke nun Frau Merkel zur Bundeskanzelrin wählen würde. Fakt ist: Ich stehe nicht ohne Kritik da und ich bin deshalb ein ungeeigneter Kandidat. So einfach ist das.
Q: Wer soll es tun?
JN: Wie ich schon sagte: Geeignet sind unglaublich viele. Soll ich die Mitgliederliste runterlesen? Aber Spaß beiseite: Ich persönlich halte Stefan Teichert für einen sehr engagierten und charakterlich guten und deshalb geeingneten Kandidaten. Als Genaralsekretär hat er bester Arbeit für die QUAD geleistet.
Q: Und Peter Appelt?
JN: Ich halte Peter Appelt aufgrund seines Alters für Weise genug, das Richtige zu tun und sich wie ich nicht als Kandidat zur Verfügung zu stellen. Ich hatte mit Peter Appelt in Bad Ems ein zwar bemühtes, aber nicht unverständnisvolles Gespräch. Das respektiere ich. Daraus leite ich vielleicht auch etwas hoffnungsbeladen ab, dass Peter Appelt genauso wie ich nicht für ein Präsidiumsamt anstehen wird. Außerdem hat er sowohl im Präsidium als auch als Quadrathlet wenig Erfahrung.
Q: Was war denn der Ausgangspunkt Ihrer persönlichen Rivalität?
JN: Genau kann ich das gar nicht mehr sagen. Vielleicht war der erste Ansatz schon in Schlüchtern gelegt [Anmerkung: In Schlüchtern wurde 2007 die QUAD gegründet], weil wir verschiedene Ansatzpunkte zu den Alterklassen hatten. Allerdings waren wir beide keine expliziten Wortführer zu diesem Thema. Ich war zudem gereizt, dass er erst Stunden nach Eröffnung ankam und gleich heftig mitdebattierte ohne sich erstmal ein Bild zu machen. Aber da bin ich wahrscheinlich etwas kleinlich.
Später stieß mir insbesondere auf, als Peter Appelt verschiedene emails zu der Inkompetenz der Quadrathlon-Online [Anmerkung: Diese Homepage wurde von Stefan Teichert als erste Quadrathlonseite überhaupt betrieben] an mich schrieb und mich aufforderte die Zusammenarbeit mit dem Betreiber sofort zu beenden. Die Quadrathlon-online war seinerzeit der Kooperationspartner der QUAD und war das journalistische Forum der Quadrathlonszene. Es war viele Jahre zuvor aktiv und wurde ja von Stefan Teichert, dem Generalsekrätär unterhalten. Stefan schätze ich zudem fachlich und menschlich sehr.
Q: Sie hätten das nicht einfach ignorieren können?
JN: Nicht wirklich. Ich empfand das, was vorgetragen wurde, als zu schlimm und habe dann sicher nicht allzu mäßigend zurückgeschrieben. Peter Appelt mokierte ständig den schlimmen Stil von Stefan Teichert, den er als "unwürdig für einen Verband" bezeichnete und ich schrieb, er solle mal seinen eigenen unflätigen Stil überprüfen. Ich habe ihm also entsprechend deutlich zurückgeschrieben. Nun ja, ausgleichend war ich sicher nicht! Und so hat sich das hochgeschaukelt. Nun war es eben so und läßt sich jetzt auch nicht mehr ändern.
Q: Und was hat das mit der Alterklasse auf sich, die Sie auch erwähnten? Was sind denn die Knackpunkte zwischen Ihnen und Peter Appelt?
JN: Etwas scherzhaft überzeichnend könnte ich sagen, dass ich nur eine einzige Altersklasse will und Peter Appelt möchte, dass jeder einzelne Jahrgang eine Extra-Klasse bekommt. Und die dann noch unterteilt mit Tourenbootklassen und Dreiradkategorie bei Rad. Vielleicht brauchen wir dann gar keine Wettkämpfe mehr und können gleich zur Siegerehrung gehen.
Q: Also gut, geht es auch etwas weniger überzeichnet?
JN: Also ich vertrete die Position, dass es dem Sport Quadrathlon absolut nicht zuträglich ist, dass bei den Siegerehrungen in den Alterklassen meist leere Podeste oder nur teilweise besetzte Podien zu sehen sind. Insbesondere gilt dies dann, wenn Quadrathlons im Rahmen von Triathlons stattfinden. Hier würde ich allenfalls die Gesamtsieger in einer Siegerehrung aufrufen. Das sind eben auch die Gewinner des Wettkampfs! Naja, vielleicht sollten auch noch die Sieger der Altersklassen in einem Schwung genannt oder hochgerufen werden. Mehr aber nicht.
Und wie ich das lösen würde? Ich speziell favorisiere zum Beispiel Lösungen, wie sie etablierte Sportarten, wie zum Beispiel der Kanu-Verband, kennt: Hier werden Altersklassen als "Deutsche Meisterschaft" nur gewertet, wenn mindestens 5 Boote aus wenigstens 3 Vereinen am Start sind. Auf internationaler Ebene sind das dann analog 3 Nationen statt der Vereine. Dadurch bekommen die Altersklassen eine echte sportliche, nämlich vergleichende, Wertigkeit und zudem eine bedeutsame Außenwirkung. Etwas ähnliches kann man auch im Quadrathlon definieren.
Derzeit ist es ja einfach so, dass ein Altersklassenstarter womöglich nur ins Ziel stolpern muss, um eine Medaille bei DM, WM oder WM zu bekommen. Damit werden Titel, die ja Leistungssport definieren, ad absurdum geführt. Es macht den Sport lächerlich.
Anders herum glaube ich, dass es niemandem an der Ehre kratzt , wenn er als Alleinstartender in einer Altersklasse Sieger wird und anschließend nicht Europameister genannt wird. Ich jedenfalls finde die sportlichen Leistungen von Ludwig Amerell, Lore Böhme oder Stefan Barthels an sich bewundenswert und respektabel, um nur mal drei spontane positive Beispiele zu nennen.
Sport entsteht doch nicht aus Urkunden und Titel, sondern aus dem Geleisteten an sich und der relativen Leistung zu anderen. Ich meine, Schüler freuen sich bei den Bundesjugendspielen für eine Siegerurkunde, die ja jeder erhält. Aber als Erwachsener sollte man da etwas gelassener sein. Ich sage: Sollte! Oder man muss entsprechend trainieren, um eine Medaille zu erlangen.
Q: Man merkt, dass Ihnen das Thema ziemlich bedeutsam ist.
JN: Ja, auf jeden Fall. Selbst innerhalb der Quadrathletenzunft wirken die endlosen Siegereehrung mit halbgefüllten Podiumsplätzen oder sogar leeren Podien unwirklich und nervend. Und von Außenstehenden, wird man dann eben eh' nur belächelt. Das bringt den Sport nicht weiter, sondern wirft ihn als Kuriosum zurück.
Q: Also gut. Zu einem anderen Thema? Wie wird es mit der QUAD weitergehen?
JN: Ich hoffe, das sich engagierte, neutrale Personen aus der Mitgliederversammlung für den den Vorstand finden werden und sich dadurch die Wogen glätten können.
Ich kann an der Stelle nur sagen, dass es nicht unermesslich viel Arbeit wäre. Also: Nur zu!
Ein neuer Vorstand soll also tun, was sinnvoll ist: Quadrathlon verbandsseitig fördern und angemessen repräsentieren.
Q: Und Ihre Pläne?
JN: Ohne die vielen Kommentare und Dispute werde ich schlicht mehr Zeit haben und kann endlich mein Ziel verwirklichen den Thoralf Berg in einem Quadrathlon zu überlaufen - allerdings nur dann, wenn ich bei der Schlußdisziplin Laufen anfangen darf.
Q: Vielen Dank für das Gespräch.